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Von Daniel Burrichter 7 Minuten Lesezeit

Gas: Kubikmeter in kWh umrechnen, so rechnet Ihre Abrechnung

Der Zähler zählt Kubikmeter, die Rechnung verlangt Kilowattstunden. Dazwischen stehen zwei Zahlen, die von Ort zu Ort verschieden sind, und wer sie kennt, kann jede Gasrechnung nachprüfen.

Gleich ausrechnen Brennstoffe
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Auf der Gasrechnung stehen zwei Verbrauchsangaben: die Kubikmeter vom Zähler und die Kilowattstunden, nach denen bezahlt wird. Die Umrechnung lautet Kubikmeter × Zustandszahl × Brennwert = Kilowattstunden. Ein Kubikmeter Erdgas entspricht damit in den meisten Haushalten 10 bis 11 Kilowattstunden, genauer lässt es sich erst mit den beiden Werten von der eigenen Abrechnung sagen.

Warum der Zähler nicht einfach Energie misst

Ein Haushaltsgaszähler ist ein Volumenzähler. Er misst, wie viele Kubikmeter Gas durch ihn hindurchströmen, und zwar bei dem Druck und der Temperatur, die gerade im Zähler herrschen. Wie viel Energie in diesem Volumen steckt, weiß er nicht.

Das ist ein echtes Problem, denn Gas ist zusammendrückbar. Derselbe Kubikmeter enthält mehr Gasmoleküle, wenn der Druck höher oder die Temperatur niedriger ist. Außerdem schwankt die Zusammensetzung des Gases im Netz, und damit der Energiegehalt jedes Moleküls. Die Abrechnung korrigiert beides in zwei getrennten Schritten, und genau dafür stehen die beiden Faktoren.

Faktor 1: die Zustandszahl

Die Zustandszahl rechnet das gemessene Volumen auf den sogenannten Normzustand um: 0 °C und 1.013,25 Hektopascal. Sie ergibt sich aus drei Größen:

  • Abrechnungstemperatur: Viele Netzbetreiber setzen für Zähler im Haus 15 °C an. Dieser Wert steht in den Veröffentlichungen des Netzbetreibers.
  • Überdruck im Zähler: Bei Haushaltsanschlüssen im Niederdrucknetz liegt er typischerweise um 20 Millibar.
  • Luftdruck am Wohnort: Er hängt von der Höhe ab. Das DVGW-Arbeitsblatt G 685 schreibt dafür eine Formel vor: 1.014,8 Hektopascal minus 0,1142 Hektopascal je Meter Höhe.

Der letzte Punkt überrascht die meisten. In der Höhe ist der Luftdruck niedriger, das Gas im Zähler also weniger dicht. Ein Kubikmeter auf der Zugspitze enthält weniger Gas als ein Kubikmeter in Hamburg, und die Abrechnung berücksichtigt das.

Mit 15 °C und 22 Millibar Überdruck ergeben sich diese Zustandszahlen:

Höhe des WohnortsLuftdruck nach G 685Zustandszahl
0 m (Küste)1.014,8 hPa0,970
100 m1.003,4 hPa0,959
200 m992,0 hPa0,949
300 m980,5 hPa0,938
500 m957,7 hPa0,917
800 m923,4 hPa0,885

Eigene Berechnung nach der Höhenformel der G 685. Die Kompressibilitätszahl ist im Niederdrucknetz praktisch 1 und hier nicht berücksichtigt.

Zwischen der Küste und einem Ort auf 800 Metern liegen also knapp neun Prozent. Wer mit denselben 1.600 Kubikmetern im Allgäu und in Kiel heizt, bekommt unterschiedliche Kilowattstunden berechnet, und beide Rechnungen sind korrekt.

Faktor 2: der Brennwert

Der Brennwert gibt an, wie viel Energie ein Kubikmeter Gas im Normzustand enthält. Der Netzbetreiber ermittelt ihn laufend aus Messungen im Netz und bildet daraus für jeden Abrechnungszeitraum einen Abrechnungsbrennwert.

Typische Größenordnungen:

  • H-Gas (hoher Energiegehalt, heute der Regelfall): rund 11,0 bis 11,5 kWh je Kubikmeter
  • L-Gas (niedriger Energiegehalt, früher vor allem im Nordwesten): rund 9,8 bis 10,5 kWh je Kubikmeter

Die Umstellung der L-Gas-Gebiete auf H-Gas läuft seit Jahren. Wer in einem umgestellten Gebiet wohnt, sieht auf der Rechnung einen Sprung beim Brennwert. Bei gleichem Zählerstand steigen dann die Kilowattstunden. Der Energiebedarf des Hauses hat sich dabei nicht geändert. Das Gas ist nur energiereicher, und der Zähler dreht sich für dieselbe Wärme langsamer.

Die Rechnung für 1.000, 1.600 und 2.000 Kubikmeter

Mit einer Zustandszahl von 0,9646 (Wohnort auf 50 Metern) ergeben sich diese Mengen. Die Kosten sind mit 12 Cent je Kilowattstunde gerechnet. Das entspricht dem Durchschnittspreis für ein Einfamilienhaus, den der BDEW für 2026 ausweist (11,93 Cent, Stand August 2026, alle Preisbestandteile).

VerbrauchH-Gas (11,3 kWh/m³)KostenL-Gas (10,0 kWh/m³)Kosten
1.000 m³10.900 kWh1.308 €9.646 kWh1.158 €
1.600 m³17.440 kWh2.093 €15.434 kWh1.852 €
2.000 m³21.800 kWh2.616 €19.292 kWh2.315 €

Zwei Dinge fallen auf. Erstens liegt die grobe Faustformel „Kubikmeter mal zehn“ bei H-Gas um rund acht Prozent zu niedrig. Zweitens verändert der Gastyp die Rechnung um rund 300 Euro bei 2.000 Kubikmetern, ohne dass im Haus etwas anders läuft.

Wer ein Angebot vergleicht, sollte deshalb nie mit den Kubikmetern rechnen, sondern mit den Kilowattstunden der letzten Jahresabrechnung. Die Tarife sind in Cent je Kilowattstunde angegeben, der Kubikmeter ist nur die Zwischengröße.

So prüfen Sie Ihre eigene Rechnung

Auf jeder Gasabrechnung stehen die Zählerstände, die Zustandszahl und der Brennwert, meist in einer Tabelle unter dem Verbrauch. Die Prüfung dauert zwei Minuten:

  1. Verbrauch in Kubikmetern: neuer Zählerstand minus alter Zählerstand.
  2. Mal Zustandszahl: Der Wert liegt fast immer zwischen 0,88 und 0,98. Liegt er deutlich darüber, lohnt eine Nachfrage.
  3. Mal Brennwert: Das Ergebnis muss den Kilowattstunden auf der Rechnung entsprechen, bis auf Rundungen.

Weicht die Zustandszahl auffällig von dem ab, was die Tabelle oben für Ihre Höhe erwarten lässt, liegt es fast immer an einem anderen Überdruck oder einer anderen Abrechnungstemperatur. Beides legt der Netzbetreiber fest und veröffentlicht es. Ein Fehler ist das nicht.

Häufiger ist ein anderes Missverständnis: Über ein Jahr hinweg gibt es oft mehrere Abrechnungsbrennwerte, weil der Netzbetreiber sie monatlich bildet. Die Rechnung teilt den Verbrauch dann auf mehrere Zeiträume auf. Mit einem einzigen Brennwert nachgerechnet, passt das Ergebnis deshalb nur ungefähr.

Brennwert und Heizwert: nicht dasselbe

Die Gasrechnung arbeitet mit dem Brennwert. Er enthält auch die Wärme, die im Wasserdampf der Abgase steckt. Ältere Tabellen und manche Vergleiche verwenden dagegen den Heizwert, der diesen Anteil nicht enthält. Bei Erdgas liegt der Brennwert rund elf Prozent über dem Heizwert.

Das erklärt, warum ein Brennwertkessel auf dem Papier Wirkungsgrade über 100 Prozent erreichen kann: Bezogen auf den Heizwert nutzt er einen Teil der Kondensationswärme zusätzlich. Bezogen auf den Brennwert, also auf das, was Sie bezahlen, bleibt er unter 100 Prozent.

Für den Kostenvergleich zwischen Heizsystemen heißt das: Gas, Öl und Pellets lassen sich nur dann fair nebeneinanderstellen, wenn überall derselbe Bezug gilt. Der Brennstoff-Rechner rechnet mit einem mittleren Energiegehalt von 10,4 kWh je Kubikmeter und einem Jahresnutzungsgrad der Anlage. Wer seinen eigenen Wert kennt, setzt stattdessen die Kilowattstunden von der Abrechnung ein.

Was die Zahlen für die Heizungsplanung bedeuten

Die Kilowattstunden der Gasrechnung sind die zuverlässigste Grundlage für die Frage, wie viel Wärme ein Haus tatsächlich braucht. Sie sind gemessen, nicht geschätzt. Wer über eine Wärmepumpe nachdenkt, kann daraus den künftigen Stromverbrauch ableiten:

  • Gasverbrauch in kWh × Nutzungsgrad des Kessels (rund 0,9) = tatsächlich genutzte Wärme
  • Wärme ÷ Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe = Strombedarf

Bei 17.440 Kilowattstunden Gas sind das rund 15.700 Kilowattstunden Wärme und, bei einer Jahresarbeitszahl von 3,4, etwa 4.600 Kilowattstunden Strom. Diese Rechnung ist belastbarer als jede Schätzung nach Baujahr, weil sie das Verhalten der Bewohner schon enthält.

Voraussetzung ist ein Zeitraum ohne Besonderheiten: Ein Jahr mit halb leerstehendem Haus oder mit einem ungewöhnlich warmen Winter verzerrt das Ergebnis. Am aussagekräftigsten ist der Mittelwert aus zwei oder drei Abrechnungen. Den Überschlag nach Baualter und Fläche liefert der Wärmepumpen-Rechner, der Abgleich mit dem gemessenen Verbrauch zeigt, ob er für Ihr Haus passt.

Quellen und Normen

  • DVGW-Arbeitsblatt G 685 „Gasabrechnung“, Ausgabe 2020, Teile 1 bis 7
  • DVGW: „Die neue G 685 ist da“ (02.11.2020), Höhenformel p_amb = 1.014,8 hPa − 0,1142 hPa/m × H
  • BDEW-Gaspreisanalyse, Durchschnittspreis Einfamilienhaus 2026: 11,93 ct/kWh (Stand August 2026)
  • Abrechnungsbrennwert und Zustandszahl: Veröffentlichung des örtlichen Gasnetzbetreibers

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