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Balkonkraftwerk: Stromkreis und Absicherung

Prüft, ob Ihr vorhandener Stromkreis die Summe aus Netzstrom und Einspeisung trägt — der Punkt, den die meisten Anleitungen auslassen.

in Watt, steckerfertig bis 800

steht auf dem Schalter im Verteiler

in Watt, grobe Schätzung genügt

Bewertung

Kritisch

Einspeisestrom3,5 A
Möglicher Höchststrom19,5 ABewertung: Grenzwert überschritten
Belastbarkeit der Leitung16,5 A
Weitere Verbraucher2,2 A

Im ungünstigsten Fall können 19,5 A durch die Leitung fließen — 16 A aus dem Netz plus 3,5 A vom Wechselrichter. Die Leitung trägt aber nur 16,5 A. Der Leitungsschutzschalter merkt davon nichts, weil er nur den Netzanteil sieht.

Abhilfe: die Anlage am Anfang des Stromkreises einspeisen lassen, einen eigenen Stromkreis verwenden oder die Absicherung reduzieren.

Die Anmeldung im Marktstammdatenregister ist unabhängig von der Leistung erforderlich und innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme vorzunehmen.

Rechenweg anzeigen
I_max = I_Sicherung + I_Wechselrichter
Aus dem Netz16 A
Vom Wechselrichter3,5 A
Summe im ungünstigsten Abschnitt19,5 A
Leitung trägt16,5 A

Das Problem, das man nicht sieht

Ein Leitungsschutzschalter misst den Strom, der durch ihn hindurchfließt. Er sitzt am Anfang des Stromkreises, im Verteiler. Was dahinter passiert, bekommt er nur mit, soweit es durch ihn hindurch muss.

Speist ein Balkonkraftwerk in eine Steckdose in der Mitte des Stromkreises ein, entsteht eine Situation, die es vorher nicht gab: Strom fließt jetzt aus zwei Richtungen. Ein Verbraucher am Ende der Leitung kann gleichzeitig aus dem Netz und vom Wechselrichter versorgt werden. Der Leitungsabschnitt dazwischen führt beide Anteile — der Schalter im Verteiler sieht aber nur den Netzanteil.

I_max = I_Sicherung + I_Wechselrichter

Bei einem B16 und 800 Watt Einspeisung sind das 16 + 3,5 = 19,5 Ampere. Ob das kritisch ist, entscheidet allein der Querschnitt der Leitung.

Wann es kritisch wird

QuerschnittBelastbarkeitMöglicher StromBewertung
1,5 mm² mit B1616,5 A19,5 Akritisch
1,5 mm² mit B1016,5 A13,5 Aunbedenklich
2,5 mm² mit B1623,0 A19,5 Aunbedenklich
2,5 mm² mit B2023,0 A23,5 Agrenzwertig

Verlegeart B2, 800 W Einspeisung entsprechend 3,5 A.

Was hilft

Am wirksamsten ist die Einspeisung am Anfang des Stromkreises — dann liegt der Schalter zwischen Netz und Einspeisepunkt und sieht die Summe. Ebenfalls möglich: ein eigener Stromkreis für die Anlage, ein größerer Querschnitt oder eine kleinere Absicherung. Welcher Weg praktikabel ist, hängt von der vorhandenen Installation ab.

Häufige Fragen

Kann ein Balkonkraftwerk die Leitung überlasten?

Ja, unter bestimmten Umständen. Der Leitungsschutzschalter sitzt am Anfang des Stromkreises und sieht nur den Strom aus dem Netz. Speist der Wechselrichter weiter hinten ein, kann der Leitungsabschnitt dahinter mehr Strom führen, als der Schalter je bemerkt — im ungünstigsten Fall die Summe aus Sicherungsnennstrom und Einspeisestrom.

Wie groß ist dieses Risiko praktisch?

Bei 800 Watt Einspeisung sind es zusätzliche 3,5 Ampere. An einem B16-Kreis mit 2,5 mm² bleibt die Summe von 19,5 Ampere unter der Belastbarkeit von 23 Ampere — unkritisch. An einem B16-Kreis mit nur 1,5 mm², wie er für Beleuchtung üblich ist, liegt sie über den 16,5 Ampere Belastbarkeit. Dann ist die Leitung rechnerisch überlastbar, ohne dass die Sicherung auslöst.

Was bedeutet die 800-Watt-Grenze?

Bis 800 Watt Wechselrichter-Ausgangsleistung gilt eine Anlage in Deutschland als steckerfertig und darf vom Betreiber selbst in Betrieb genommen werden. Die Modulleistung darf darüber liegen — begrenzt wird die Einspeisung, nicht die Erzeugung. Oberhalb von 800 Watt sind Anmeldung und Anschluss durch eine Elektrofachkraft erforderlich.

Muss ich mein Balkonkraftwerk anmelden?

Ja. Die Eintragung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur ist unabhängig von der Leistung Pflicht und innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme vorzunehmen. Die gesonderte Anmeldung beim Netzbetreiber ist für steckerfertige Anlagen entfallen — der Netzbetreiber wird über das Register informiert.

Schuko-Stecker oder Wieland-Steckdose?

Der Gesetzgeber hat den Betrieb am gewöhnlichen Schuko-Stecker inzwischen ausdrücklich zugelassen. Die Fachverbände empfehlen weiterhin eine spezielle Energiesteckdose, weil bei ihr keine berührbaren Kontakte unter Spannung stehen können. Sicherheitstechnisch ist das ein Vorteil, rechtlich ist beides zulässig.

Wonach hier gerechnet wird

  • VDE-AR-N 4105 — Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz
  • DIN VDE 0100-712 — Photovoltaik-Stromversorgungssysteme
  • Marktstammdatenregisterverordnung — Meldepflicht innerhalb eines Monats
  • Belastbarkeitswerte nach DIN VDE 0298-4 Tabelle 3

Dieser Rechner ist ein Planungshilfsmittel. Er ersetzt weder die Planung noch die Prüfung durch eine Fachkraft, die für die Ausführung verantwortlich bleibt.

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