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Von Daniel Burrichter 7 Minuten Lesezeit

FI-Schutzschalter fliegt raus: die Ursache Schritt für Schritt eingrenzen

Was Sie ohne Werkzeug selbst herausfinden dürfen, welche Muster auf welche Ursache deuten und ab wann die Elektrofachkraft kommen muss.

Gleich ausrechnen FI-Schutzschalter
In diesem Artikel

Ein FI-Schutzschalter löst aus, wenn Strom einen Weg nimmt, den er nicht nehmen soll: über die Erdung, über Feuchtigkeit oder im schlimmsten Fall über einen Menschen. Das ist fast nie ein Defekt des Schalters. Die Ursache lässt sich in den meisten Fällen ohne Werkzeug eingrenzen, indem Sie Stromkreise und Geräte nacheinander ausschließen. Am Verteiler selbst arbeiten dürfen Sie dabei nicht.

Was der Schalter eigentlich misst

Der Fehlerstrom-Schutzschalter, kurz FI oder RCD, vergleicht den Strom, der über die Außenleiter in die Anlage hineinfließt, mit dem Strom, der über den Neutralleiter zurückkommt. In einer intakten Anlage sind beide gleich groß. Fehlt auf dem Rückweg etwas, ist es irgendwo anders hingeflossen.

Ein Schalter mit 30 Milliampere Bemessungsfehlerstrom, wie er in Wohnungen vorgeschrieben ist, löst nach DIN EN 61008-1 irgendwo zwischen 15 und 30 Milliampere aus. Das ist sehr wenig: Eine 60-Watt-Glühlampe zog etwa das Neunfache. Deshalb reagiert der Schalter auch auf Ursachen, die kein unmittelbares Risiko darstellen, etwa auf Feuchtigkeit in einer Außensteckdose. Er kann nicht unterscheiden, ob der fehlende Strom durch einen nassen Stecker oder durch eine Hand fließt, und das ist gewollt.

Schritt 1: Lässt er sich wieder einschalten?

Die erste Beobachtung entscheidet über den weiteren Weg:

  • Er bleibt drin. Der Fehler war vorübergehend. Merken Sie sich, was gerade lief und wie das Wetter war. Wiederholt sich das Auslösen, hilft genau diese Information bei der Suche.
  • Er fällt sofort wieder heraus. Der Fehler besteht noch. Jetzt beginnt das Ausschlussverfahren.

Mehrmaliges Einschalten mit Nachdruck bringt nichts. Der Schalter hat eine Freiauslösung und fällt auch dann heraus, wenn Sie den Hebel festhalten.

Schritt 2: den Stromkreis finden

Hinter einem FI hängen in der Regel mehrere Stromkreise, jeder mit einem eigenen Leitungsschutzschalter, dem Sicherungsautomaten. Die Eingrenzung funktioniert so:

  1. Alle Leitungsschutzschalter hinter dem ausgelösten FI ausschalten.
  2. Den FI einschalten.
  3. Die Leitungsschutzschalter einzeln wieder einschalten, mit ein paar Sekunden Pause.
  4. Fällt der FI bei einem bestimmten Automaten heraus, liegt der Fehler in diesem Stromkreis.

Bleibt der FI schon bei ausgeschalteten Automaten nicht drin, liegt der Fehler nicht in einem einzelnen Stromkreis, sondern im Bereich zwischen FI und Automaten oder am Schalter selbst. Das ist ein Fall für die Elektrofachkraft, ohne weitere eigene Versuche.

Eine Besonderheit: Löst der FI erst aus, wenn zwei bestimmte Stromkreise gleichzeitig eingeschaltet sind, liegt fast immer eine Verbindung zwischen den Neutralleitern dieser Kreise vor. Das passiert typischerweise nach Umbauten, bei denen Leitungen in einer Abzweigdose zusammengeführt wurden. Auch das kann nur ein Fachbetrieb beheben.

Schritt 3: das Gerät finden

Ist der Stromkreis bekannt, ziehen Sie in diesem Kreis alle Stecker und schalten auch fest angeschlossene Geräte ab, soweit sie einen eigenen Schalter haben. Dann Automat und FI einschalten und die Geräte nacheinander wieder einstecken.

Fällt der FI dabei nicht heraus, obwohl alles wieder angeschlossen ist, handelt es sich meist um eine Summe kleiner Ableitströme oder um einen Fehler, der nur unter Last oder bei Wärme auftritt. Dazu unten mehr.

Welches Muster auf welche Ursache deutet

Wann der Schalter auslöst, verrät oft mehr als das Ausschlussverfahren:

Wann es passiertHäufigste Ursache
Nach Regen oder TauFeuchtigkeit in Außensteckdose, Gartenbeleuchtung, Teichpumpe
Beim Einschalten eines bestimmten GerätsIsolationsfehler in diesem Gerät, oft im Heizstab
Nachts, ohne dass jemand etwas tutGerät mit Thermostat: Kühlschrank, Gefriertruhe, Boiler, Heizband
Bei GewitterÜberspannung aus dem Netz; einmalig meist harmlos
Nach einer Renovierungbeschädigte Leitung, Nagel oder Dübel in der Wand
Zufällig, ohne erkennbaren AnlassSumme vieler kleiner Ableitströme

Geräte mit Heizstab verdienen einen eigenen Hinweis: Waschmaschine, Spülmaschine, Wasserkocher, Warmwasserspeicher. Die Isolierung im Inneren der Heizstäbe nimmt mit den Jahren Feuchtigkeit auf, vor allem wenn das Gerät länger nicht benutzt wurde. Ein solcher Heizstab kann beim Aufheizen gerade so viel Fehlerstrom verursachen, dass der Schalter auslöst. Das ist ein Grund für eine Reparatur, nicht dafür, den Schalter zu tauschen.

Die unsichtbare Ursache: Ableitströme

Viele moderne Geräte leiten im Normalbetrieb einen kleinen Strom gegen Erde ab, ganz ohne Defekt. Netzteile von Computern, Fernsehern und LED-Leuchten haben Entstörfilter, deren Kondensatoren mit dem Schutzleiter verbunden sind. Jeder einzelne Ableitstrom ist harmlos, zusammen können sie in die Nähe der Auslöseschwelle kommen.

Die Norm für die Errichtung, DIN VDE 0100-530, trägt dem Rechnung: Die Summe der Ableitströme hinter einem FI soll 30 Prozent seines Bemessungsfehlerstroms nicht überschreiten, bei 30 Milliampere also 9 Milliampere. Kommt dann ein kleiner Isolationsfehler hinzu, reicht das für die Auslösung.

Das typische Bild: Ein Arbeitszimmer mit Rechner, zwei Bildschirmen, Drucker und Steckdosenleiste, dazu ein Heizlüfter im Winter. Einzeln ist nichts auffällig, zusammen löst es gelegentlich aus. Die Lösung ist eine Aufteilung auf mehrere FI-Schalter. Genau deshalb sehen neuere Verteiler meist mehrere FI oder kombinierte FI/LS-Schalter je Stromkreis vor.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten

  • Den FI überbrücken oder dauerhaft ausgeschaltet lassen. Damit fehlt genau der Schutz, der bei einem Fehler an einem Gerät vor einem tödlichen Stromschlag bewahrt.
  • Einen weniger empfindlichen Schalter einbauen, etwa mit 300 statt 30 Milliampere. Ein Schalter mit 300 Milliampere schützt gegen Brand, nicht gegen Stromschlag. Für Steckdosen in Wohnungen ist das nicht zulässig.
  • Den Verteiler öffnen. Hinter der Abdeckung liegen berührbare Teile, die auch bei ausgelöstem FI unter Spannung stehen können, etwa vor dem Schalter.

Wann die Elektrofachkraft kommen muss

Eigenständig eingrenzen ist in Ordnung, beheben meist nicht. Rufen Sie einen Fachbetrieb, wenn:

  • der FI schon bei ausgeschalteten Automaten auslöst,
  • der Fehler in der fest verlegten Installation liegt, also kein Gerät als Ursache gefunden wurde,
  • zwei Stromkreise nur gemeinsam auslösen,
  • es nach Schmorgeruch riecht, eine Steckdose warm oder verfärbt ist,
  • Wasser in die Installation gelangt ist, etwa nach einem Rohrbruch,
  • der Schalter mehrmals im Monat auslöst, ohne dass ein Muster erkennbar ist.

Der Betrieb misst dann den Isolationswiderstand der Stromkreise und findet Fehler, die sich mit dem Ausschlussverfahren nicht eingrenzen lassen. Bringen Sie Ihre Notizen mit: wann, bei welchem Wetter, welcher Stromkreis. Das spart Suchzeit und damit Geld.

Die Prüftaste: kein Anlass zur Sorge

Die Taste mit dem „T“ auf dem FI erzeugt einen künstlichen Fehlerstrom und prüft so, ob die Mechanik noch auslöst. Hersteller empfehlen, sie etwa halbjährlich zu drücken. Ein Schalter, der jahrelang nicht ausgelöst hat, kann festsitzen, und das fällt erst im Ernstfall auf.

Löst der Schalter beim Drücken der Taste nicht aus, ist er defekt und muss getauscht werden. Welcher Typ an welcher Stelle der richtige ist, steht im Artikel über die FI-Typen A, F und B. Der FI-Rechner leitet Typ und Bemessungsfehlerstrom aus dem angeschlossenen Verbraucher ab.

Quellen und Normen

  • DIN VDE 0100-410 — Schutz gegen elektrischen Schlag, zusätzlicher Schutz durch RCD mit 30 mA
  • DIN VDE 0100-530 — Auswahl und Errichtung von Schalt- und Steuergeräten, Ableitströme hinter einer RCD
  • DIN EN 61008-1 — Fehlerstrom-Schutzschalter, Auslösebereich zwischen 50 und 100 Prozent des Bemessungsfehlerstroms

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