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Von Daniel Burrichter 6 Minuten Lesezeit

Verlegearten nach DIN VDE: was A2, B2 und C bedeuten

Die Kürzel in den Belastbarkeitstabellen sind keine Buchstabensuppe, sondern beschreiben, wie gut eine Leitung ihre Wärme loswird. Eine Einordnung für die Praxis.

Wer eine Belastbarkeitstabelle aufschlägt, stößt sofort auf Kürzel wie A1, A2, B1, B2, C, E und F. Sie wirken willkürlich, folgen aber einer klaren Logik: Sie beschreiben, wie gut eine Leitung die entstehende Wärme an ihre Umgebung abgeben kann.

Warum Wärme das eigentliche Thema ist

Jeder Leiter hat einen Widerstand. Fließt Strom, entsteht Verlustleistung nach P = I² × R, und diese Leistung wird vollständig in Wärme umgesetzt. Solange die Wärme schneller abfließt, als sie entsteht, stellt sich eine stabile Temperatur ein.

Für PVC-isolierte Leitungen liegt die zulässige Dauertemperatur am Leiter bei 70 °C. Darüber altert die Isolierung beschleunigt, wird spröde und verliert ihre Schutzwirkung. Die Belastbarkeitstabellen beantworten deshalb genau eine Frage: Welcher Strom führt unter diesen Einbaubedingungen gerade noch nicht über 70 °C?

Die Systematik hinter den Buchstaben

Der Buchstabe beschreibt die grundsätzliche Einbausituation, die Ziffer unterscheidet zwischen Einzeladern und Mantelleitungen.

KürzelSituation
A1Einzeladern im Rohr in einer wärmegedämmten Wand
A2Mantelleitung im Rohr in einer wärmegedämmten Wand
B1Einzeladern im Rohr auf oder in der Wand
B2Mantelleitung im Rohr auf oder in der Wand
CLeitung direkt auf der Wand oder auf einer Wanne
EMehradrige Leitung frei in der Luft

Für die Gebäudeinstallation sind vor allem drei relevant: A2 für den Neubau mit gedämmter Außenwand, B2 als Regelfall im Wohnungsbau, und C für Montage auf Putz oder auf Kabelwannen.

Was der Unterschied praktisch ausmacht

QuerschnittA2B2C
1,5 mm²15,0 A16,5 A19,5 A
2,5 mm²20,0 A23,0 A27,0 A
4 mm²27,0 A30,0 A36,0 A
6 mm²34,0 A38,0 A46,0 A

Zwei belastete Adern, Kupfer, PVC-isoliert, 30 °C Umgebungstemperatur.

Zwischen A2 und C liegen durchgehend rund 35 Prozent. Bei 1,5 mm² entscheidet das darüber, ob ein B16 zulässig ist: In der gedämmten Wand trägt die Leitung nur 15 Ampere — ein B16 wäre dort nicht mehr normgerecht.

Die drei häufigen Missverständnisse

Das Rohr ist nicht das Problem, die Dämmung ist es. Zwischen B2 und A2 liegt nicht das Installationsrohr, sondern die Wärmedämmung ringsum. Eine gedämmte Wand hält die Wärme dort fest, wo sie entsteht — was für die Heizkosten gut und für die Leitung schlecht ist.

Der ungünstigste Abschnitt zählt. Eine Leitung, die zehn Meter frei verläuft und einen Meter durch Dämmung führt, ist nach A2 zu bemessen. Die Wärme staut sich an der Engstelle, und dort wird die Isolierung heiß.

Verlegeart und Häufung wirken zusammen. Fünf Stromkreise gebündelt in einem Rohr in gedämmter Wand: 2,5 mm² tragen dann noch 20 × 0,60 = 12 Ampere. Aus einem selbstverständlichen B16 wird ein Fall für den nächstgrößeren Querschnitt.

Temperatur nicht vergessen

Die Tabellen gelten für 30 °C Umgebungstemperatur. In einem Dachboden im Sommer, in Heizungsräumen oder in Serverschränken liegt sie deutlich darüber:

TemperaturFaktor
25 °C1,06
30 °C1,00
40 °C0,87
50 °C0,71

Bei 50 °C bleiben nur noch 71 Prozent der Tabellenbelastbarkeit. Kombiniert mit Häufung wird daraus schnell die Hälfte.

Zum Nachrechnen

Der Kabelquerschnitt-Rechner berücksichtigt Verlegeart, Häufung und Temperatur gemeinsam. Die Querschnitt-Tabelle zeigt alle Werte im Überblick, einschließlich der Umrechnungsfaktoren.

Sonderfälle, die regelmäßig auftreten

Leitungen in Hohlwänden

Eine Leitung in einer Trockenbauwand liegt weder frei noch in Dämmung — es sei denn, die Wand ist mit Mineralwolle gefüllt, was der Regelfall ist. Dann gilt A2, nicht B2. Der Unterschied wird häufig übersehen, weil die Leitung optisch frei im Hohlraum liegt.

Entscheidend ist nicht der Luftspalt, sondern ob die Wärme abgeführt werden kann. Eine Leitung, die in Mineralwolle eingebettet ist, gibt ihre Wärme kaum ab.

Leitungen unter Putz in Massivwänden

Hier ist die Einordnung günstiger, als viele annehmen: Eine Mantelleitung direkt unter Putz in einer Massivwand aus Beton oder Vollziegel entspricht Verlegeart C, nicht B2. Das Mauerwerk führt die Wärme ab. Erst bei porosierten Ziegeln oder Leichtbeton mit hohem Dämmwert wird die Einordnung ungünstiger.

Leitungen im Erdreich

Erdverlegte Leitungen haben eigene Tabellen, weil das Erdreich thermisch völlig anders wirkt als Luft. Es führt Wärme zunächst gut ab, trocknet aber unter Dauerlast im Nahbereich der Leitung aus — und trockenes Erdreich isoliert. Die Tabellenwerte berücksichtigen das über einen angenommenen spezifischen Wärmewiderstand des Bodens.

Wer eine Zuleitung zur Garage oder zum Gartenhaus plant, sollte deshalb nicht mit den Werten für Verlegung in Luft rechnen.

Was in Zweifelsfällen gilt

Führt eine Leitung durch mehrere Bereiche, ist der ungünstigste Abschnitt maßgebend, sofern er länger als etwa einen halben Meter ist. Kürzere Engstellen können thermisch von den benachbarten Abschnitten mitgetragen werden.

Praktisch bedeutet das: Bei gemischter Verlegung im Zweifel A2 ansetzen. Der Mehraufwand für einen Querschnitt mehr ist überschaubar, die nachträgliche Korrektur einer eingeputzten Leitung nicht.

Warum die Tabellen so konservativ wirken

Manchem erscheinen die Belastbarkeitswerte niedrig — eine 1,5-mm²-Leitung soll nur 16,5 Ampere tragen, obwohl sie kurzzeitig ein Vielfaches aushält. Der Grund liegt in der Betrachtungsweise.

Die Tabellen beschreiben den Dauerbetrieb bei ungünstigen, aber realistischen Randbedingungen. Sie zielen nicht darauf, dass die Leitung durchbrennt, sondern darauf, dass sie über Jahrzehnte nicht über 70 °C am Leiter kommt. Oberhalb dieser Temperatur altert PVC beschleunigt: Es verliert Weichmacher, wird spröde und reißt bei mechanischer Beanspruchung.

Eine Leitung, die dauerhaft mit 90 °C betrieben wird, versagt nicht sofort. Sie versagt in zehn Jahren, wenn jemand einen Schrank verrückt und die Leitung dabei bewegt wird. Genau solche Schäden sollen die Tabellen verhindern.

Andere Isolierstoffe, andere Werte

Die hier genannten Werte gelten für PVC-isolierte Leitungen — die Bauart NYM, die im Wohnungsbau dominiert.

Vernetztes Polyethylen, gekennzeichnet als XLPE oder in der Typbezeichnung als 2XY, verträgt 90 °C Dauertemperatur statt 70 °C. Die Belastbarkeit liegt dadurch je nach Querschnitt 15 bis 25 Prozent höher. Bei Erdkabeln und Zuleitungen ist diese Bauart üblich.

Wer Tabellenwerte verwendet, muss deshalb prüfen, für welchen Isolierstoff sie gelten. Die höheren Werte für XLPE auf eine NYM-Leitung anzuwenden, führt zu einer systematischen Überlastung — und zwar zu einer, die niemandem auffällt, bis die Isolierung nach Jahren versagt.

Quellen und Normen

  • DIN VDE 0298-4 (2013-06) — Verlegearten und Strombelastbarkeit
  • DIN VDE 0100-520 — Errichten von Kabel- und Leitungsanlagen

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